Allein die Dosis macht’s!

16.10.2019

2014 warf ein Bericht der Eidgenössischen Ernährungskommission und 2015 eine Studie der Internationalen Krebsagentur (IARC) der WHO hohe Wellen mit der Aussage, dass der Konsum von rotem Fleisch als wahrscheinlich bzw. in verarbeiteter Form als klar krebserregend einzustufen sei.

Schon damals wurde von verschiedener Seite, u. a. auch durch den SFF, öffentlich bemängelt, dass beide Arbeiten sich einzig auf berechnete statistische Zusammenhänge abstützen würden, ohne den eigentlichen Ursache-Wirkung-Beziehungen auch nur ansatzweise auf den Grund zu gehen. Ebenso blieb unklar, wie man die weiteren Risikofaktoren wie Übergewicht, mangelnde Bewegung, Ernährungsweise, Rauchen, Alkohol, Alter etc. einbezog und in welcher Relation die genannten Todesfälle denn stünden (weltweit rund 1 auf 3000). Zu einem anderen Schluss kamen Anfang Jahr bzw. vor kurzem zwei internationale Forschergruppen nach der Prüfung verschiedener Ernährungsstudien, indem zwischen Fleischkonsum und Krebs, Diabetes bzw. Herz-Kreislauf-Krankheiten nur eine schwache Beziehung bestünde und demzufolge die empfohlene Einengung beim individuellen Fleischkonsum so nicht haltbar sei – eine Aussage, die in Vegetarierkreisen schon heftigen Widerstand hervorrief. Diese doch sehr unterschiedlichen Folgerungen dürften wohl darin begründet liegen, dass die Experten der IARC eine Vielzahl von Studien begutachtet und daraus ihre Schlüsse gezogen hatten, während die Autoren der neuen Untersuchungen diverse Studien unter Einbezug diverser Risikofaktoren gemeinsam analysierten. Ebenso dürfte die Qualität der verfügbaren Daten von grosser Bedeutung gewesen sein, ist doch die Aussagekraft der oft eingesetzten Fragebögen meist begrenzt bzw. das Einhalten von strikten Ernährungsvorgaben gerade bei längeren Erhebungen besonders schwierig. Die Wahrheit dürfte wohl irgendwo in der Mitte liegen, ganz dem Grundsatz von Paracelsus folgend, dass «die Menge das Gift ausmache», oder am Beispiel von Wasser als mengenmässig bedeutendstem Teil der Nahrungsaufnahme ausgedrückt, «wenn zu wenig da ist, verdurstet man, wenn zu viel da ist, ertrinkt man». In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass auch bei den Ernährungsempfehlungen vermehrt der Pragmatismus, verbunden mit Genuss und Lebensfreude, Einkehr hält, denn oft ist weniger mehr!

Ruedi Hadorn, SFF-Direktor

 
 
 
Elias Welti, Leiter Kommunikation und stv. Direktor SFF