«Der Köder muss dem Fisch schmecken …

10.07.2019

… nicht dem Angler.» So lehrt uns eine altbekannte Volksweisheit. Mit dem Sommerferienbeginn gehört der Abschluss der aktuellen Lehrgänge erneut der Geschichte an – letzter Zeitpunkt, um die Besetzung der frei werdenden bzw. neuen Lehrstellen an die Hand zu nehmen.

Leider deuten die ersten Indikatoren darauf hin, dass die Anzahl der Neulernenden ab kommendem Herbst einmal mehr tiefer ausfallen wird. Eigentlich besteht ein mehr als doppelt so hoher Bedarf von gegen 600 neuen Lernenden pro Jahr, wie sich dies ob all der gehäuft eingehenden, oft gar händeringenden Anfragen nach qualifizierten Fleischfachkräften immer wieder zeigt! Nebst den bereits bekannten Ursachen wie der generellen Stellung der handwerklichen Berufe in unserer Gesellschaft schlechthin offenbart die Suche nach offenen Lehrstellen für Fleischfachleute und -assistenten im Internet Beängstigendes – dies trotz der aussichtsreichen Karrierechancen wie auch der Vielseitigkeit der Fleischberufe. So sind z. B. Anfang Juli im elektronischen Lehrstellennachweis (Lena) über die ganze Schweiz hinweg bei den Fleischfachleuten ganze 104 freie Stellen und für Fleischfach­assistenten nur deren 27 zu finden. Auch wird es nicht besser, wenn man sich auf anderen digitalen Plattformen umsieht. So findet ein Lernender bei der regionalen Suche auf der grössten Plattform Yousty, meist über mehrere Kantone hinweg verteilt, nur gegen 20 bis 30 Lehrstellen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass nur eine löbliche Minderheit von SFF-Mitgliedern überhaupt Lehrstellen anbietet – eine Tatsache, die sich auch bei den gemeldeten Lehrbetrieben auf der SFF-Website zeigt. Eines ist sonnenklar – die Zeiten, in denen interessierte Jugendliche einfach so in den Betrieb kommen und sich nach einer Lehrstelle erkunden, sind mit dem Einzug der digitalen Medien definitiv passé! So darf man sich nicht über fehlenden Nachwuchs wundern, wenn man die verfügbaren Lehrstellen nicht auch online ausschreibt. Oft macht man es sich gar zu einfach und ruft einfach nach dem Verband, der wohl gerne beratend hilft. Das Bewerben und Bewirtschaften der konkret freien Lehrstellen kann dieser auch beim besten Willen jedoch nicht übernehmen, hierfür ist der einzelne und nur der einzelne Betrieb selber gefragt – ohne Wenn und Aber!

Ruedi Hadorn, SFF-Direktor

 
 
 
Elias Welti, Leiter Kommunikation und stv. Direktor SFF